Ghosting hat längst auch im Bewerbungsprozess Einzug gehalten. Gemeint ist der plötzliche, kommentarlos bleibende Abbruch der Kommunikation durch eine Partei, meist durch Bewerbende. Ein scheinbar vielversprechender Kontakt wird nicht weiterverfolgt, auf E-Mails wird nicht mehr geantwortet, das Telefonat bleibt aus, oder der vereinbarte Vorstellungstermin wird ohne Absage ignoriert.

Was früher die Ausnahme war, ist heute keine Seltenheit mehr. Laut einer Umfrage von Indeed aus dem Jahr 2022 gaben fast 75 % der befragten Personalverantwortlichen an, bereits Ghosting durch Kandidaten erlebt zu haben und das zunehmend auch in späteren Phasen des Auswahlprozesses. Die Gründe dafür sind vielfältig: manche Bewerbende erhalten kurzfristig ein anderes Angebot, andere verlieren das Interesse am Unternehmen oder empfinden die Kommunikation als zu intransparent oder langwierig. In manchen Fällen fehlt schlicht der Mut, eine Absage selbst zu formulieren.

Für Unternehmen stellt Ghosting ein reales Problem dar, nicht nur wegen des Mehraufwands, sondern auch, weil es Zeit und Ressourcen bindet und Unsicherheiten im Recruiting-Prozess schafft. Doch statt nur auf das Verhalten der Kandidaten zu schauen, lohnt sich der kritische Blick nach innen. Wie klar, wertschätzend und verlässlich ist der eigene Bewerbungsprozess gestaltet? Wie transparent wird über Zeitpläne und nächste Schritte informiert? Und wie leicht fällt es Kandidaten, Rückmeldung zu geben, auch dann, wenn sie sich gegen das Unternehmen entscheiden?

Professionelle Kommunikation auf Augenhöhe, zeitnahe Rückmeldungen und die gezielte Pflege der Candidate Experience können helfen, Ghosting zu minimieren. Ein wertschätzender Umgang, auch bei einer Absage, signalisiert Ernsthaftigkeit und Respekt und stärkt gleichzeitig das Arbeitgeberimage. Unternehmen sollten darüber hinaus überlegen, wie sie Absprungrisiken frühzeitig erkennen und besser begleiten können, etwa durch Reminder-Mails, Flexibilität in der Terminvergabe oder eine transparente Kommunikation über Erwartungen.

Ghosting ist also kein einseitiges Phänomen, sondern oft das Resultat eines mangelhaften Dialogs. Wer als Arbeitgeber mit Offenheit, Verlässlichkeit und klarer Kommunikation überzeugt, reduziert nicht nur die Quote an abgebrochenen Bewerbungsprozessen, sondern verbessert nachhaltig seine Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt. Wenn auch Sie sich mit dem Thema beschäftigen möchten, freuen wir uns auf einen Anruf unter 040-69632510 oder per Mail unter info@hpu.